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Der Teufel trägt Prada 2
Im Filmgeschäft des 21. Jahrhunderts bekommt jeder Film, der nur halbwegs erfolgreichwar, seine Fortsetzung. So gesehen stellt sich die Frage, warum die Fans 20 Jahre auf diese Fortsetzung warten mussten?
 
What is wrong with my eyebrows?
 
Aufmerksamen Leser*innen mag es nicht entgangen sein: wenn ich keinen Bock habe, die Handlung eines Films selbst zusammenzufassen, zitiere ich gerne die Einladung zur Pressevorführung des Films. Es folgt also ein Auszug aus der Einladung zur Pressevorführung von „Der Teufel trägt Prada 2“:
 
Fast zwanzig Jahre nach ihren legendären Auftritten als Miranda, Andy, Emily und Nigel kehren Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt und Stanley Tucci zu den Fashion-Hotspots von New York City und in die eleganten Büros des Runway Magazins zurück. Der Film vereint die Originalbesetzung erneut mit Regisseur David Frankel und Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna und stellt eine Reihe brandneuer Charaktere vor, u.a. gespielt von Kenneth Branagh, Simone Ashley, Justin Theroux, Lucy Liu, Patrick Brammall, Caleb Hearon, Helen J. Shen, Pauline Chalamet, B.J. Novak und Conrad Ricamora. Tracie Thoms und Tibor Feldman sind erneut in ihren Rollen als „Lily“ und „Irv“ aus dem ersten Film zu sehen.
 
Das war’s. Danach kam nur noch die Warnung, während der Vorstellung keine Mobiltelefone zu benutzen, die Androhung zivil- und strafrechtlicher Schritte sollte man es doch versuchen und eine Belehrung zur Verarbeitung unserer personenbezogenen Daten. Der Hinweis zur Sperrfrist bis zu deren Ablauf keine Rezensionen erscheinen dürfen, war schon am Anfang der Einladung zu finden. Wir sehen also, selbst dem Verleih wollte oder konnte zur Handlung dieses Films nichts anderes einfallen, als die Ankündigung, dass Fans des ersten Films hier noch mehr von dem geboten bekommen würden, was ihnen bereits vor 20 Jahren gefallen hat.
 
Ich kann die Verfasser dieser Einladung voll und ganz verstehen. Ich würde das, was sich Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna („Wir kaufen einen Zoo“, „Cruella“) 20 Jahre nach Teil Eins als Anlass ausgedacht hat, Meryl Streep ihre alte Anna Wintour-Imitation wieder aufführen zu lassen, auch nicht wie Sauerbier verkaufen wollen. Dann lässt man es am besten gleich bleiben und konzentriert sich aufs Wesentliche, nämlich eben den Fans mehr von dem zu geben, was ihnen bereits vor 20 Jahren gefallen hat. Nachdem man den Film gesehen hat, würde man sich wünschen, die Drehbuchautorin hätte eine ähnliche Einsicht gehabt und umgesetzt.
 
 
Dann wäre uns vielleicht die eine oder andere unergiebige Nebenhandlung erspart geblieben, allen voran eine der langweiligsten und belanglosesten Romanzen der Filmgeschichte. Anne Hathaways Figur lernt bei einer Wohnungsbesichtigung einen Kerl kennen, der abgesehen von seiner Herkunft (er ist Australier), komplett frei von Eigenschaften und anderen Merkmalen einer Persönlichkeit durch seine fünf oder sechs Szenen stolpert, in deren Verlauf sich nicht einmal so etwas ähnliches wie Chemie zwischen ihm und ihr entwickelt. Die großartige Anne Hathaway hat uns eine innigere und auch interessantere Beziehung zu der gruseligen Alten vermittelt, die ihr in „Les Misérables“ die Haare abgeschnitten hat.
 
Aline Brosh McKenna hätte auch eine weitere irrelevante Nebenhandlung rund um einen Buch-Deal streichen können, die ohnehin nur ein anderthalbstundenlanges Setup zu einer Pointe darstellt, die keine anderthalb Minuten Laufzeit wert ist. Von der Ablenkung und dem überflüssigen Ballast verschiedener Nebenhandlungen befreit, hätte sich die Autorin darauf konzentrieren können, eine Haupthandlung zu entwerfen, in der seit den Erlebnissen des ersten Films tatsächlich sowas wie Zeit vergangen ist, während derer sich die Figuren weiter entwickelt haben könnten.
 
Im Dialog kommt mehrmals zur Sprache, dass auch in der Handlung mittlerweile bald 20 Jahre vergangen sind. Und die Heldin hat mittlerweile ein ereignisreiches Leben gelebt und als Journalistin Karriere gemacht. Warum benimmt sie sich dann bei erster Gelegenheit und danach über weite Strecken des Films immer wieder wie eine ahnungslose Collegeabsolventin? Warum können die Heldin und ihre alte Chefin die Krise im dritten Akt nicht bewältigen, indem sie als Partnerinnen zusammenarbeiten, statt Anne Hathaways Figur wieder nur Meryl Streeps Anordnung ausführen zu lassen? Warum konnte die Pointe, wie es zu einem Jobangebot gekommen ist, nicht anders aufgelöst werden als mit einer Überraschung für die naive Heldin? Warum konnte sie nicht die ganze Zeit Bescheid gewusst haben?
 
 
Es ist schon erstaunlich, dass hier eine erfahrene Drehbuchautorin daran scheitert, ihre Heldin, immerhin eine erfahrene Journalistin von Mitte Vierzig, als Profi und in Kontrolle übers eigene Leben und den eigenen Job, zu beschreiben. Aber wie bereits der Text der Einladung zur Pressevorführung erkennen lässt, wussten selbst die Leute, deren Job es wäre, diesen Film zu vermarkten, rein gar nichts mit dieser Story anzufangen. Wenden wir uns also anderen Qualitäten des Films zu.
 
Die Regie des Films hat nach Teil Eins wieder David Frankel übernommen. Frankel hatte sich vor mehr als zwei Jahrzehnten für die Regie von Teil Eins empfohlen, nachdem er mehrere Folgen von „Sex & the City“ inszeniert hatte. Sein erfolgreichste Arbeit seither war sicher „Marley & ich“. An Filme wie „Ein Jahr vogelfrei“ und die erneute Zusammenarbeit mit Mery Streep „Wie beim ersten Mal“ mag sich heute kaum noch jemand erinnern. Frankel kann nach Teil Eins auch bei „Der Teufel trägt Prada 2“ wieder aus dem Vollen schöpfen. Der enorme Aufwand, den Location-Scouts, Kostümbildner und Casting-Mitarbeiter betrieben haben, ist offensichtlich. Daher wiegt es doppelt schwer, wenn Frankel es nicht schafft, diesem Aufwand mit eigener Kreativität gerecht zu werden.
 
Eine wichtige Sequenz spielt beispielsweise in einem „Haus in den Hamptons“. Das Wenige, das wir von dem Haus zu sehen bekommen, sieht interessant aus. Das Haus scheint weder zu groß noch zu klein, weder protzige Villa noch bescheidene Hütte zu sein. Aber irgendwie gelingt es der Regie nicht, uns einen richtigen Eindruck von dem Haus und seiner besonderen Umgebung zu vermitteln. Weitere wichtige Szenen spielen am Comer See, einer der absolut wunderschönsten Gegenden der ganzen Welt. Aber anders als in so unterschiedlichen Filmen wie zum Beispiel „Ein Sommer am See“, „Star Wars: Episode II“ oder „Casino Royale“, können wir das Besondere dieser einzigartigen Umgebung hier nie wirklich erkennen.
 
Ich glaube, am besten kann man David Frankels Regie zusammenfassen, wenn man erwähnt, dass er eine wichtige Sequenz während einer Fashion-Show in Mailand tatsächlich mit Madonnas „Vogue“ aus dem Jahr 1990 untermalt. Lieder, die für den Einsatz in Filmen einfach „durch“ sind (z.B. „I feel good“, „Spirit in the Sky“ oder zuletzt „Paranoid“ in „Normal“), trotzdem in einem Spielfilm einzusetzen, stellt einen kreativen Offenbarungseid dar. Aber im zweiten Film über eine fiktive Version von Anna Wintour, der langjährigen Chefin der Zeitschrift „Vogue“ (!) Madonnas „Vogue“ (!!) einzusetzen, obwohl man den Titel bereits in Teil Eins verwendet hat (!!!), ist eine künstlerische Bankrotterklärung.
 
 
You are iconic!
 
Frankel weiß auch mit seinen vielen, wirklich vielen prominenten Gaststars wenig anzufangen. Eine Szene, in der Anna Hathaway Emily Blunt beim Essen mit Donatella Versace stört, ist halbwegs witzig. Von den anderen bekannten Gesichtern aus der Welt der Mode bekommen wir aber tatsächlich nur die Gesichter zu sehen. Das erinnert dann an die Berichterstattung von einer Fashion-Week und vermag den Film nur wenig zu bereichern. Das Gleiche gilt für einen weitgehend ereignislosen Auftritt von Lady Gaga.
 
Für die Darsteller*innen, die nicht bereits in Teil Eins mitgewirkt haben, bietet „Der Teufel trägt Prada 2“ nur wenig Gelegenheit sich ins Herz oder auch nur ins Gedächtnis des Publikums zu spielen. Eine reizende junge Dame namens Helen J Shen stellt ein reines Handlungselement dar. Ein ebenso reizender junger Mann namens Caleb Hearon ist in einer Rolle zu sehen, die nicht einmal etwas zur Handlung beiträgt. Lucy Lius Leistung hier ist ebenso vernachlässigbar wie ihr Part in „Red One: Alarmstufe Weihnachten“. Justin Theroux war in „Beetlejuice Beetlejuice“ bereits nicht witzig und bleibt sich auch in diesem Film wieder treu. Kenneth Branagh („A Haunting in Venice“) ist in einer Rolle zusehen, bei der mir lange unklar war, ob sie der Assistent oder der Ehemann einer Hauptfigur sein soll.
 
Am Ende muss es wirklich die Stamm-Besetzung rausreißen, indem sie einfach mehr von dem liefert, was den Fans vor zwanzig Jahren gefallen hat. Dass Meryl Streep ein großartiges Biest abgibt, war echten Kennern bereits seit 1989 und „Die Teufelin“, spätestens aber seit 1992 und „Der Tod steht ihr gut“ klar. Streep wieder die Miranda spielen zu sehen, ist ein bisschen so, als würde man Jose Carreras „Granada“ singen hören: Man weiß, beide haben es drauf, beiden bereitet es kaum Mühe und niemand kann das jeweils so wie diese beiden.
 
Daneben kann die Leistung der sonst so großartige Anne Hathaway nur verblassen, weil die Drehbuchautorin beim Schreiben ihrer Rolle die Gelegenheit zur Übergabe des Staffelstabs verpasst hat. Emily Blunt gibt einen bloßen Aufguss dessen, womit sie vor zwanzig Jahren ihre Weltkarriere eingeleitet hat. Und die mittelmäßige Rolle, in der Stanley Tucci („Konklave“) nicht brillieren kann, die muss erst noch geschrieben werden.
 
Fazit
 
Auch wenn alles sehr aufwendig produziert wurde, liefern Drehbuch nur wenig und Regie praktisch gar keine neuen Ideen. Und die Darsteller*innen liefern einfach mehr von dem, was bereits vor 20 Jahren ankam. Das ist alles ganz nett, aber man fragt sich wirklich, warum man darauf 20 Jahre warten musste?
 
 

Regie:
Drehbuch:
Besetzung:
David Frankel
Aline Brosh McKenna
Meryl Streep, Anne Hathaway

 

 

 

 
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